Desmond Tutu:
„Die WM hilft uns, zusammenzukommen.“

Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu sieht die WM in Südafrika als Chance auf dem Weg zur weiteren Aussöhnung in Südafrika. „Die WM ist eine große Sache und hilft uns, näher zusammen zu kommen.“ Bei einer Veranstaltung in der südafrikanischen Botschaft in Berlin am 17. Juli 2009 sprach der ehemalige Erzbischof von Kapstadt über seine Erwartungen an das Turnier.
Tutu ist ein Mann der Versöhnung. Während der ANC in den 80ern noch der Idee des bewaffneten Widerstandes gegen die Apartheid anhing, predigte Tutu schon seine Vision von einer Aussöhnung zwischen Schwarz und Weiß. Diese Haltung prädestinierte ihn zum Vorsitzenden der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission, die unter der Regierung Mandela zwischen 1996 und 1998 politisch motivierte Verbrechen unter der Apartheidregierung untersuchte.
In Berlin erinnerte Tutu an die Rugby-Weltmeisterschaft von 1995 in Südafrika. „Unser Team hat gewonnen, und das hat unser Land nachhaltig verändert“, kommentierte Tutu. „Dieser Sieg hat mehr für die Aussöhnung zwischen den Menschen erreicht, als alle Predigten, die ich in einem Jahr halten kann.“ Damals, ein Jahr nach dem Fall der Apartheid-Regierung war die bis auf einen Spieler ausnahmslos weiße Mannschaft von Schwarzen und Weißen gleichermaßen bejubelt worden.
Für 2010 erhofft sich Tutu einen ähnlichen Effekt. Nur dass die Farbverteilung dieses Mal umgekehrt ist. Weil Fußball in Südafrika seit jeher der Sport der schwarzen Bevölkerung ist, hat die Mannschaft gerade mal einen weißen Stammspieler, der, so Tutu, jedoch von den Fans ebenso herzlich angefeuert wird, wie die übrigen Spieler.
Der Fußball bietet außerdem die Möglichkeit, nicht nur Südafrika, sondern den ganzen Kontinent stolz zu machen. Tatsächlich reklamiert Südafrika die kommende WM nicht für sich, sondern vielmehr als Chance für den gesamten Kontinent. Man stehe „stellvertretend für Afrika und als Teil einer afrikanischen Familie von Nationen“, erklärt die südafrikanische Regierung auf der Homepage des Ereignisses. In einem Brief an die FIFA hat der damalige Präsident Thabo Mbeki geschrieben, Grundlage für die Bewerbung als Ausrichter der WM sei die Gewissheit, dass sich das 21. Jahrhundert für Afrika als Jahrhundert der Entwicklung und des Wachstums entfalten wird.






