Vuvuzela – so klingt die nächste WM.
„Das Ärgernis sollte aus den Stadien verbannt werden“, wetterte Spaniens Mittelfeldspieler Xabi Alonso. Brasiliens Stürmerstar Robinho legte nach: „Sie erschweren die Kommunikation auf dem Platz. Manchmal konnten wir unsere Trainer nicht mehr hören, manchmal nicht einmal mehr die Mitspieler.“
Gemeint sind die Vuvuzelas, jene langschäftigen Tröten, die den südafrikanischen Fußballspielen mit ihrer Lautstärke und ihrem Klang ihren ganz eigenen Charakter verleihen. Mit einem wütenden Hornissenschwarm wird der Ton aus Tausenden von Vuvuzelas verglichen. Nicht nur die ausländischen Spieler haben sich über die ungewohnte Geräuschkulisse beschwert. Rundfunk- und TV-Gesellschaften waren ebenfalls überfordert. Auch zwei deutsche Fußballfans haben sich während des Confed-Cups gegen die Tröten gewandt und die Initiative „Gegen Vuvuzelas – pro Stimmung“ gestartet. Im Internet kamen schnell 50.000 Unterschriften zusammen. Sämtliche Proteste waren bisher jedoch vergeblich. FIFA-Präsident Sepp Blatter erklärte: „Es ist ein lokaler Sound, und ich weiß nicht, wie man einen lokalen Sound stoppen kann. Das hier ist Afrika.“
Südafrika, Herr Blatter, Südafrika! Und entsprechend amüsiert reagierten die Südafrikaner auf die Kritik an ihrer Fanpraxis. „Hände weg von den Vuvuzelas“, schrieb die Radio- und Fernsehmoderatorin Redi Direko in einer Kolumne. Auf den Einwand, die Tröte sei doch nur ein Instrument für Hooligans, konterte sie sarkastisch: „Wie bitte? Wer Hooligans bei Fußballspielen sehen möchte, dem kaufe ich gerne ein Flugticket nach Europa.“ Touché, Frau Direko. Das ist ohne Zweifel ein wunder Punkt in Europa. Bisher haben die Vuvuzelas höchstens Gehörschäden angerichtet. Von ernsthaften Verletzungen ist uns noch nichts bekannt.
Auch Danny Jordaan, Chef des Nationalen Organisationskomitees, reagierte ironisch. Natürlich könne es sein, dass ein ausländischer Fan die Tröte als Wurfinstrument missverstehe und auf den Rasen werfe, gab er zu.
Die Spieler der Bafana Bafana, der südafrikanischen Nationalmannschaft, machten sich den Ärger zunutze und forderten ihre Fans vor dem Spiel gegen Spanien auf, ihrem Gegner mal so richtig den Marsch zu blasen. „Wir brauchen diese Art leidenschaftlicher Unterstützung unserer Fans“, erklärte Südafrikas Kapitän Aaron Mokoena schalkhaft. Unterdessen könnte sich der Sound bis zur WM womöglich noch einmal verändern. Die südafrikanische Naturparkbehörde stellte im Juli eine neue Tröte vor, die Kuduzela. Anders als die langgestreckte Vuvuzela hat die Kuduzela eine gewundene Form, in Anlehnung an das Horn der Kudu-Antilope. Das Instrument knüpft an die alte afrikanische Tradition an, mit dem dumpfen Ton des Kudu-Horns Versammlungen oder Schlachten einzuberufen.
Anders als die Vuvuzela klingen mehrere Kuduzelas eher nach einer Herde trompetender Elefanten. David Mabunda, Chef der Parkbehörde, erklärte, die Kuduzela ist „der echte Sound der Savanne“. Mabunda zeigte sich überzeugt, dass „die Kuduzela alle Südafrikaner, Gäste und Fans 2010 nach Südafrika zu einer spektakulären WM ruft.“







